Warum alte Erinnerungen beim Gedächtnistraining helfen
Wenn ich mit Menschen ab 50 oder mit älteren Klientinnen und Klienten arbeite, beginnt gutes Gedächtnistraining selten mit einer Aufgabe. Es beginnt mit einer Frage: Wie fühlte sich der erste Schultag an? Welcher Duft holt die Kindheit zurück? Solche Fragen wirken zunächst wie ein Umweg vom eigentlichen Training. In meiner Erfahrung sind sie oft der direkteste Weg dorthin.
Biografiearbeit und Gedächtnistraining schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Eine Rechenaufgabe oder eine Wortfindungsübung fordert das Gehirn, doch sie berührt selten. Eine Erinnerung an das erste Fahrrad oder an einen bestimmten Sommer dagegen aktiviert oft mehrere Ebenen gleichzeitig: Sprache, Emotion, Zeitgefühl, manchmal sogar Geruchssinn. Genau diese Mehrdimensionalität macht Biografiearbeit zu einem wirksamen Werkzeug in der geistigen Aktivierung.
In der täglichen Praxis erlebe ich, dass Menschen, die sich an einer reinen Übungsaufgabe schwertun, bei einer Zeitreise durch die eigenen 1960er oder 1970er Jahre plötzlich aufblühen. Sie erzählen, lachen, korrigieren sich gegenseitig in der Gruppe. Das ist kein Zufall. Erinnerungen sind oft besser im Langzeitgedächtnis verankert als aktuelle Informationen, gerade bei beginnenden Gedächtnisveränderungen. Wer an diesem stabileren Fundament ansetzt, schafft Erfolgserlebnisse, statt Überforderung zu erzeugen.
Für mein Buch „Demenz vorbeugen“ habe ich diesen Ansatz konsequent umgesetzt: Zeitreisen durch die Jahrzehnte wechseln sich mit klassischen Übungen zu Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Wortfindung ab. Das Ziel ist nicht Leistung, sondern lebendige Neugier – und damit die Bereitschaft, sich immer wieder neu auf das eigene Denken einzulassen.
Wer diesen Ansatz selbst ausprobieren möchte, findet konkrete Übungen und Zeitreisen in meinen Büchern „Demenz vorbeugen“ und „Klarer Kopf ab 50“.